Selbstständigkeit

Achterbahn ins Glück


Kinder, wie die Zeit vergeht. Manchmal frage ich mich, was ich eigentlich den ganzen Tag tue... Die Zeit rast so schnell an mir vorbei, dass ich gar nicht mehr mitbekomme, was eigentlich alles gerade passiert. 

Irgendwie rennt gerade alles an mir vorbei. Mein Kopf ist voller Chaos und Gewusel. 1000 Projekte schwirren in den Gedanken hin und her und wollen einfach keine Ruhe geben. Ich hab den Faden verloren. Weiß nicht mehr, was, wann, wo, wieso, weshalb und überhaupt. Selbst meine kleinen Super-Power-Inseln sind irgendwo im Chaos verpufft und gerade nicht mehr auffindbar. Die Niike braucht dringend eine Auszeit!!! 

 

Nagut, dann mache ich das doch. Ich bin ja schließlich selbstständig. Ich kann tun und lassen, was ich will!

Naaajaaaaaa, ganz so einfach ist es leider nicht. Aber fast. 

 

Wer sich dazu entschieden hat, sich selbstständig zu machen, der hat sich dazu entschieden selbst und ständig und mit voller Leidenschaft seine Visionen und Träume zu verwirklichen. Eigentlich die tollste Sache auf der Welt, wenn man DAS leben kann, was man leben möchte. Frei, unabhängig, autonom.

Ich mache den ganzen Tag das, was mir gefällt und womit ich mich wohl fühle und kann selbst entscheiden, wann und wie viel ich arbeite. Richtig. Aber leider gehört noch ein bisschen mehr dazu. Wer autonom mit seinen Visionen die Weltherrschaft an sich reißen möchte, der muss nunmal auch die "Drecksarbeit" selber machen. Für mich als Kreativling bedeutet das, dass ich eben nicht nur hier und da ein bisschen Design mache, Ideen spinne, unterrichte sowie ein bisschen im Web rum hänge und ansonsten in den Tag hinein lebe. Es bedeutet auch, dass ich mich mit den für mich unmöglichsten Dingen befasse. So zum Beispiel alles, was mit Finanzen zu tun hat. Der Kühlschrank füllt sich nunmal nicht von alleine! Irgendwie muss man auch so viel Geld verdienen, dass es zum Leben reicht. Hinter dem Geld verdienen steckt weitaus mehr, als man zunächst denkt. Ich habe von all diesen Dingen überhaupt gar keinen Plan.

 

Mein Vorteil ist, dass ich mich nicht alleine selbstständig gemacht habe. Kiki hat BWL studiert, ist Dipl. Kaufmann und hat sich spezialisiert auf Marketing, Konzeption und Unternehmensberatung. Das kommt mir natürlich mehr als Gelegen. Ich, die Kommunikationsdesignerin und Kulturpädagogin, deren Leben nur aus kreativen, ästhetischen Momenten besteht und mit Zahlen, Unternehmensgründung und Fachchinesisch nun wirklich nicht viel am Hut hat... Kiki ergänzt mich prima mit seinem Know-How. Die Entscheidung, dass wir uns gemeinsam selbstständig machen, ist so naheliegend wie Susi und Strolch gemeinsam an einer Nudel schlürfen und mit dieser Szene berühmt werden. Wir sind ein Dreamteam! 

 

Nur, wenn einer den Überblick in Sachen Akquise, Beratung, Konzeption und Finanzen hat und der andere lediglich von der Umsetzung ganz bestimmter Aufträge einen Plan hat, dann kann es schon mal zu einem Ungleichgewicht kommen. Wem gehört denn nun die Firma? Wer ist denn hier jetzt Chef? Wir haben beide einen Traum, eine Vision, aber wo finde ich mich denn in der ganzen Sache wieder, wenn ich doch nur so ein paar Aufträge, die Kiki mir rüber schiebt, erledige... so, als sei ich in einer Agentur angestellt. Ich bin doch auch Chef!? AHA! Ja richtig! Aber was bedeutet das denn – Chef sein? 

 

Es bedeutet, dass man auch mal selbst die Ruder in die Hand nehmen muss. Eben auch bei Dingen, die einem nicht so zusagen. Wenn ich mich selbst verwirklichen will und meine Ideen umsetzen möchte, dann muss ich das tun. Bedeutet, ich muss mit Menschen in Kontakt treten und auf mich und meine Ideen aufmerksam machen. Kundentermine machen. Viiiiel telefonieren. Noch mehr Angebote schreiben und am Ende vielleicht auch einen Auftrag an Land ziehen und 'ne Rechnung raushauen. Ich muss mit dem Steuerberater besprechen, was finanziell geht und was nicht geht. Muss mich mit der Bank, Versicherungen, Rechtsanwälten und co. auseinander setzen und all so Zeug. Und das schwierigste daran: Verantwortung tragen für alles, was man tut. Verdammicht, das klingt ja mal so richtig erwachsen! Und es klingt nach einem straffen Zeitplan, bzw. ausgesprochen gutem Zeitmanagement, wenig Freizeit und viel mehr nach den Dingen, die ich überhaupt nicht mag. Da stellt sich mir natürlich des öfteren die Frage: Bin ich dem Ganzen überhaupt gewachsen? Will ich das alles denn wirklich? Auch Kiki fragt sich das. Er beobachtet seit Wochen, dass ich immer mehr abbaue. Mir sind Termine zu viel, ich bin überfordert, meine Kräfte schwinden. 

 

Gut, es spielen noch zwei, drei andere Faktoren eine Rolle. A) Ich hatte definitiv viel zu lange keine Auszeit – keinen Urlaub – mehr und habe mir die letzten Jahre wirklich den Allerwertesten wund geschuftet um jetzt hier stehen zu können, wo ich stehe. Und mir wurde es definitiv nicht leicht gemacht!!! B) Ich habe von Natur aus leider einen mega krassen Chaoskopf, dem es nicht leicht fällt sich zu sortieren, zu konzentrieren und ohne Mühe bei der Sache zu bleiben. Als ADHSler hat man es im Kopf nur selten easy-peasy. Aber was bedeutet das jetzt weiter? Eigentlich nicht viel. Es bedeutet lediglich, dass ich mir jetzt einfach mal ein paar Tage "Ruhe" gönnen sollte um mal wieder einen, für meine Verhältnisse, klaren Gedanken fassen zu können und mich intensiv mit der Frage auseinander setzen zu können, was ich eigentlich wirklich will und wie ich das am besten erreichen kann. 

 

Moment! Eigentlich weiß ich doch ganz genau, was ich will! Das ist doch gar nicht das Thema. Ich muss mich nicht entscheiden, WAS ich will. Ich muss mich lediglich DAFÜR entscheiden, dass ich das, was ich will auch wirklich umsetzen kann. Eben auch mit den Dingen, die ich nicht so gerne mache. Es ist alles eine Frage der Einstellung! Kann ich nicht, kann man machen... besser ist aber: ICH KANN, WEIL ICH WILL, WAS ICH MUSS, WAS ICH WILL.... also quasi: Ich entscheide mich dafür Geschäftsführerin zu sein. Nicht Designerin oder Tanzlehrerin in meiner eigenen Agentur. Das ist ein riesen Unterschied! Ich bin mein Chef und mein Angestellter zugleich! Ich muss dafür sorgen, dass man mich und meine Idee kennt, dass Geld reinkommt, dass die Kunden zufrieden sind, dass ich genügend Urlaub bekomme und vernünftig versichert bin. Ich gebe und nehme zur selben Zeit. Voller Leidenschaft, was auch mal Leiden schafft. 

 

Wie ich heute schon der lieben Karina von lovely.bird schrieb: Die Selbstständigkeit ist eine Achterbahn. Es geht auf und ab, schnell und rasant. Nur mit dem Unterschied, dass ich zwischendurch selbst entscheiden kann, wann ich aussteige und ein paar Runden aussetze um meinen Kopf zu sortieren und noch mal zu überprüfen, wo die Fahrt eigentlich langgehen soll. Gerade bin ich mal ausgestiegen. Die Fahrt war etwas zu wild die letzten Wochen. Ich dachte die ganze Zeit, das könne ich nicht. Ich müsse immer weiter und weiter machen, weil ich sonst den Faden noch mehr verlieren würde und mir die Zeit wegrennt. Aber wisst ihr was: Es passiert rein gar nichts, wenn man mal ne Runde aussetzt. Die Achterbahn fährt vielleicht ihre Runden weiter, aber Du kannst sie auch sehr gut mal von außen betrachten und vielleicht die eine oder andere Stelle mal wieder etwas ausbessern. Aber dir läuft nichts davon! Denn Du bist ja dafür verantwortlich, was passiert und was nicht. Den Faden verlierst Du auch nicht noch mehr. Im Gegenteil. Du siehst noch viel besser, worauf es ankommt, wenn Du einen gewissen Abstand zu den Dingen gewinnst. 

 

Mir tut es unfassbar gut, gerade mal den Blick auf das große Ganze werfen zu können und zu schauen, was ich bereit bin zu tun und wo meine Reise innerhalb von FREYMUTH, HELDENMUTH, SchniikeNiike und all den anderen noch unveröffentlichten Projekten hingehen soll. Kiki und ich haben gestern mal ein paar wichtige Entscheidungen getroffen und ich kann Euch sagen: Langweilig wird es ganz sicher nicht, aber achtsamer, zielgerichteter und vielleicht auch in meinem Kopf etwas geordneter. Wir werden es sehen. 

 

Was ich jetzt momentan mache?! Nein, ich hänge nicht rum und mache gar nichts... das kann ich auch gar nicht. Ich habe Ruhe mir Gedanken über unsere Geschäfte zu machen; genau hinein zu fühlen, welche Aufgaben ich für mich darin sehe. Dann bin ich gerade auf der Suche nach einem kleinen Hobby, in welchem ich schnelle Erfolge erzielen kann. Ich hab es mit dem Häkeln und Basteln versucht und das gefällt mir ziemlich gut. Vielleicht mache ich damit weiter. Mein erstes Ergebnis – Rosi, das Einhorn – könnt ihr schon auf den Fotos bestaunen.

Ich schraube an neuen und alten Projekten und Ideen, bearbeite kleinere Aufträge, treffe mich mit Freunden und schmiede Zukunftspläne. Aber alles von zu Hause und in meinem Rhythmus... Neben Putzen, Hausarbeit und co. 

 

Mal sehen, wie es weiter geht. Ich halte Euch in jedem Fall auf dem Laufenden und freue mich natürlich auf Euer feedback. Erzählt mir doch mal, wie ihr Euren Alltag so gestaltet und was ihr macht, wenn Euch mal alles über den Kopf wächst. Ich freue mich. 

 

Alles Liebe

Eure Niike 

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