Urlaub

Ohne Geld geht's auch


Vielleicht kennst Du ja dieses Gefühl, wenn man mehr als urlaubsreif ist, jeden Morgen nur mit Mühe und Not aus den Federn kommt und sich nach einem weiten Blick in die Ferne sehnt: Endlich mal wieder richtig Urlaub machen! Am Strand, in den Bergen, im Wald. Egal! Einfach raus aus dem Alltag.... aber die Zeit oder das nötige Kleingeld – oder beides zusammen – fehlt. Und jetzt? Wie kann ich trotzdem Urlaub machen, mich erholen und meinem Körper und Geist eine Pause gönnen?

Mein letzter richtiger Urlaub mit knapp zwei Wochen Sonne, Strand und Meer war 2003. Ja, das ist kein Tippfehler. Ich habe ganze 13 Jahre keinen richtigen Urlaub mehr gemacht! 

2003 habe ich Abitur gemacht und danach ging es mit damaligen Freund und dessen Eltern nach Italien. Fünf Sterne Camping-Urlaub in Jesolo. Union Lido heißt der Campingplatz. Das war wirklich ein toller Urlaub! Und ich vermisse es so sehr, mal wieder für zwei Wochen an den Strand zu fahren, in der Sonne zu brutzeln und den ganzen Tag nur Eis zu essen! 

Camping-Urlaub finde ich übrigens richtig Klasse! Ich bin gar nicht so der Fan von Hotels. Ich finde es viel schöner seinen eigenen kleinen Wohnwagen oder Wohnmobil zu haben, sich selbst zu verpflegen und seinen eigenen Dreck selbst wegräumen. Irgendwie fühle ich mich in einem Hotel immer mehr so, wie in einem Krankenhaus. Alles so steril, lange, gerade Gänge und Zimmer neben Zimmer. Dein Bett wackelt mit, wenn das Deiner Nachbarn zum Wackeln gebracht wird.... och nö... irgendwie nicht meins. Ich mag lieber meinen ganzen Kram um mich herum haben...alles, was mir gefällt, womit ich mich wohl fühle und mit meinem eigenen Dreck, den ich selbst wegmache und wo keiner ständig in meine Privatsphäre einbricht um mir die Betten aufzuschütteln... Das kann man doch selbst, wenn es einem gefällt. Das ist eine Art von Service, den ich nicht verstehe. Wofür braucht man das?

Wenn ich irgendwann mal das nötige Kleingeld zusammen habe, dann kaufe ich mir einen eigenen kleinen Wohnwagen und richte mir eine wundervolle Oase ein.  *träum*

 

Warum aber habe ich schon soooooo verdammt lange keine Urlaub mehr gemacht?!

Aus mehreren Gründen: 

a) ich war die letzten Jahre nach meinem Abitur immer in irgendwelchen Ausbildungs- und Studiensituationen. Somit war

b) das Geld einfach immer viel zu knapp. Ich habe immer nebenbei gejobbt. Aber damit kam ich stets gerade so über die Runden. Seit meinem Abitur lebe ich im Schnitt von 600-900 Euro im Monat. Wobei ich mit 900€  schon immer seeehr gut gelebt habe. Was man mit 900€ im Monat so alles machen kann: Luxus pur!!! Meine Mieten waren nie teurer als 350-400€ warm. Ohne Auto, mit Semesterticket und nur einer Krankenversicherung, Telefon, Strom und Internet, kann man also echt ganz gut leben. Nur Geld zum Sparen für Urlaub ist eben nicht drin. Einen Balkon hatte ich auch nur in einer Wohnung, sonst nie.

 

Und auch heute leben Christian und ich seit einem Jahr zusammen auf 32 Quadratmetern ohne Balkon aber dafür mit Badewanne, großen Fenstern, weißen Türen uuuuuuund: Dielenboden! Das ist doch mal richtig was obschon wenig Platz. Außerdem ist es günstig! Jedoch ist unser Büro auch nicht wirklich größer. Wir leben und arbeiten also kontinuierlich auf kleinstem Raum zusammen. Es funktioniert gut. Sogar sehr gut. Aber wenn viel beruflicher Druck da ist – und das ist er momentan – dann sehnt man sich nach mehr Raum, nach Urlaub und Blick in die Ferne. Ich habe solch eine tief sitzende Sehnsucht nach dem Horizont, dem Meer, dem Rauschen, Sand-Strand, Muscheln sammeln, Möwengeschrei, Hitze mit leichter Brise und dem Kitzeln auf der Haut, wenn die Sonne die kleinen Wassertropfen aufsaugt... Das Gefühl von Freiheit. Zeitlos. Ewig. 

Aber Christian und ich haben ja Anfang des Jahres FREYMUTH.Marketing und HELDENMUTH.Booking gegründet. Beides braucht viel Aufmerksamkeit und kostet nicht nur Zeit sondern bringt uns auch gerne mal an unsere Grenzen. Die ersten richtigen Aufträge wollen umgesetzt werden und so langsam wird unser Erspartes knapp und gerade sieht es so aus, als müssten wir mit noch weniger als 600 Euro pro Nase im Monat auskommen. Das ist hart. Und ausgerechnet in diesem Jahr sind die tollsten Feiern: Mehrere Hochzeiten, runde Geburtstage, Babys sind im Anmarsch.... Und diese besonderen Anlässe möchte man natürlich auch mit den Aller-Liebsten ganz besonders teilen können. Jeder Cent wird also gerade zwei Mal umgedreht. Richtiger Urlaub wird demnach auch in diesem Jahr nicht stattfinden.

(Zum Glück haben wir schon im letzten Jahr unsere Parookaville-Tickets gekauft! Am Donnerstag geht es los! Wir sind schon alle mega aufgeregt und voller Vorfreude!) 

 

Mittlerweile habe ich jedoch den Dreh raus, wie man sich trotzdem kleine Inseln schaffen kann, die sich anfühlen wie Urlaub und einen auch sehr gut entspannen lassen! Diese kleinen Inseln zwischendurch sind sogar effektiver, als zwei Mal im Jahr für 14 Tage in den Urlaub zu fahren. Alleine schon deswegen, weil man immer erst mal eine gewisse Zeit braucht um abschalten zu können. In den seltensten Fällen kommt man nach einem stressigen Arbeitsjahr auf Mallorca  (oder wo machen die Deutschen immer Urlaub ;-) ) an und ist direkt entspannt. Meist dauert es ja doch ein paar Tage, bis man die Arbeit hinter sich gelassen hat und runtergefahren ist. Anders ist es aber, wenn ich in meinen Alltag immer wieder kleine Micro-Urlaube einbaue. Durch bestimmte minimale Veränderungen oder Rituale bin ich in der Lage meinen Körper viel schneller in einen Zustand von Ruhe und Entspannung zu bringen. Das gelingt natürlich auch nicht immer gut. Sicherlich kommt es auf die derzeitigen Lebensumstände an... aber auch, wenn das Abschalten mal nicht gelingen mag, sollte man trotzdem für seine Inseln sorgen. Und sei es eine kleine Runde Tagträumerei. 

 

Meine persönlichen Power-Inseln und Micro-Urlaube sind z.B. das Tanzen (hatte ich ja im letzten Artikel schon von erzählt), oder auch das Unterrichten. Aber auch Yoga und Meditationen/Entspannungsübungen finde ich dufte. Manchmal hilft es Christian und mir auch schon, wenn wir einfach mal von Unterwegs arbeiten und nicht im Büro sitzen. Zum Beispiel setzen wir uns an den Rhein, ins Café oder wir sind auch schon mit der Straßenbahn von Endhaltestelle zu Endhaltestelle gefahren und haben diskutiert und gearbeitet. Zwischendurch machen wir kleine Ausflüge, gehen spazieren und ab und an ist auch mal ein Wochenend-Tripp drin. Wenn die Zeit es zu lässt, besuchen wir meine Eltern in Hessen oder fahren für einen Tag mal nach Holland ans Meer. Damit man das Meer wenigstens mal wieder gesehen hat. Selbst ein Tag am Meer kann sich anfühlen wie eine Woche Urlaub, wenn man den Moment genießt und vollumfänglich wahrnimmt. Den krassesten Moment hatte ich vor zwei Jahren. Meine liebste "Mietze" Patty hat mir einen Tages-Ausflug nach Holland geschenkt. Davor hatte ich das Meer ganze elf Jahre nicht mehr gesehen. Ich habe geweint vor Glück. Diesen Tag werde ich nie mehr vergessen! Danke, Mietze! <3 

 

Auch die vier Tage Festival, die jetzt kommen, sind irgendwie Urlaub. Mit Freunden etwas unternehmen, viel raus kommen, ist eh immer gut! Wobei ich mich aber auch gerne mal verkrieche und den ganzen Tag im Bett rumlungre (der Sonntag ist König unter den Wochentagen zum Gammeln!) Richtig gut ist aber gerade, dass wir Housesitten dürfen. Quasi Babysitten für ein Haus inkl. Hund. Christians Schwester ist mit Familie im Urlaub und wir sind so lange in deren Haus gezogen. Das ist für uns der Jahresurlaub schlechthin. Wir haben Koffer gepackt und sind in einer völlig anderen Umgebung. Und wie es im Urlaub dann so ist, ist der ganze Alltag anders. Das Kochen, Essen, Geräusche, Gerüche, Schlafgewohnheiten, Tagesrhythmen... alles läuft anders ab. Wir gehen regelmäßig mit dem Hund spazieren und bewegen uns viel mehr. Das Haus ist größer. Man läuft viel weiter von A nach B als auf 32qm. Hier ist ein wundervoller Garten, wir gießen die schönen Blumen und relaxen. Außerdem habe  ich Platz für Yoga oder Tanz. Das ist Urlaub pur, nur, dass es nichts kostet (außer Verpflegung)!

 

 

 

Aber auch solche Dinge gehen nicht immer. Dann ist es wichtig, dass man sich tägliche Rituale schafft, von denen man weiß, dass sie einem gut tun. Auch kleine Veränderungen, sind super. Probiere doch mal andere Cafés aus, wo Du sonst noch nie warst. Erkunde Ecken Deiner Stadt, die Du noch nie zuvor besucht hast. Fahre mal einen anderen Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen... Auch solche Kleinigkeiten erwecken manchmal das Gefühl im Urlaub zu sein. Zumindest nicht in der alltäglichen Umgebung und Situation zu sein. 

 

Probier's mal aus.

 

herzlichst 

Deine Niike

 

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Fan (Samstag, 30 Juli 2016 06:40)

    Du könntest mit schreiben bestimmt gut verdienen


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