Tanztheater

Balance


„Das Leben ist für mich ein Tanz, alles ‘ne Frage der Balance." (Natreen) 

 Wer kennt sie nicht, die gute alte Süßstoff-Werbung aus den 90er Jahren?!

 

Dieser Werbetext beinhaltet eine große Portion Wahrheit (ohne Schleichwerbung für das Produkt machen zu wollen):


Unser Leben hat Höhen und Tiefen. Mal geht es geradeaus, mal geht es nur über Umwege. Wenn es gut läuft, sind wir meist in unserem Gleichgewicht. Wenn es aber nicht so gut läuft, merken wir schnell unser psychisches Ungleichgewicht. Uns fehlt die Balance.

Sind wir geistig nicht in unserer Mitte, überträgt sich das irgendwann auch auf unser physisches Wohlbefinden! Von Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Erschöpfung, über Immunschwächen und häufige Krankheiten bis hin zu schweren Leiden kann alles Folge sein. Mal ganz abgesehen von den weiteren schweren psychischen Erkrankungen, die sich daraus noch ergeben können.

 

Was hat dies aber mit Tanz, bzw. Tanztheater zu tun?

 

Klar. Wir wissen alle, dass Bewegung im Allgemeinen sehr gut für Körper und Geist ist. Doch über die Jahre entwickelt jeder Mensch einen individuellen Bewegungsfluss aus immer wiederkehrenden, gleichbleibenden Bewegungen (auch bei Sportarten wie Schwimmen, Joggen, Radfahren). Da immer häufiger sitzende Tätigkeiten ausgeübt werden, verliert der Mensch einen Bezug zu sämtlichen Bewegungs- und Ausdrucksmöglichkeiten, Kraft, Flexibilität und dem Gleichgewichtssinn. Der Körper verweichlicht und ist anfälliger für Krankheiten, sowohl physischer als auch psychischer Natur.

 

 

Wie Du ja vielleicht schon gelesen hast, unterrichte ich Tanz. Für Kinder, Jugendliche sowie auch für Erwachsene und Senioren. Seit meinem dritten Lebensjahr tanze ich. Aber zwischendurch gab es immer mal wieder Phasen, wo es die Lebensumstände nicht zugelassen haben, dass ich meiner Leidenschaft nachgehen konnte. Bis vor kurzem hatte ich sogar ganze sieben Jahre lang eine regelrechte "Tanzkrise". Ich hatte mich verloren und konnte nicht mal einen Tanzsaal betreten oder mir irgendetwas mit Tanz anschauen. Ich war wie gelähmt. Das Einzige, was ich in diesen Momenten tun konnte, war heulen. Aber Bewegung.... keine Chance! Ich kannte meinen Körper nicht mehr. Ich war nicht mehr ich. Es war furchtbar und zudem ein langer Weg aus dieser Krise wieder heraus zu finden. Bis heute arbeite ich daran, mich in der Bewegung wieder richtig wohl zu fühlen und meinen Körper zu akzeptieren – so, wie er eben ist: mit dem was er kann, wie er aussieht, wie er sich bewegt und was ihn bewegt. 

 

Wer einmal in irgendeiner Krise in seinem Leben gesteckt hat, oder noch steckt – der weiß wovon ich rede und wie hart so ein Weg sein kann. Man will unbedingt, aber weiß nicht wie. Es stagniert, bleibt einfach stehen oder dreht sich höchstens im Kreis herum. Aber HEY. Genau das ist schon Tanzen. Das Leben ist ein Tanz! Mit allen Höhen und Tiefen und Kreislaufereien. Wir tanzen täglich durchs Leben! Auch, wenn der Körper sich dabei nicht immer zur Musik bewegen muss.

Und: wir tanzen nicht nur täglich, wir alle spielen auch täglich Theater! Wir haben so viele Rollen, die wir jeden einzelnen Tag einnehmen müssen. Die Rolle der Tochter, Schwester, Schülerin, Lehrerin, Mutter, Angestellten, Geschäftsfrau, Hausfrau, ...... und all die anderen situationsbedingten kleinen Rollen in unserem kleinen Universum (natürlich gilt das auch in maskuliner Form für alle Jungs und Männers da draußen. Ich wollte Euch nicht übergehen!!!! ;-) )

 

Als mir das bewusst wurde, dass wir alle täglich tanzen und Theater spielen, konnte ich das Tanztheater für mich entdecken... und somit auch wieder das Tanzen erleben. Eine große Spielwiese offenbarte sich mir. Wo ich alles ausleben kann, was mich so beschäftigt. Ich kann mich selbst spielen oder andere Rollen einnehmen. Verbal oder non-verbal. Mit oder ohne Bewegung... Alles ist irgendwie erlaubt. Hauptsache es tut gut! 

Das Tanzen und Theaterspielen eröffnet einem einfach ganz neue Wege und die Kombination von beidem ist für mich der Weg echt zu sein. Ich selbst zu sein und einfach zu machen, was ich spüre. 

 

Beim Tanzen, oder z.B. auch bei Yoga oder Pilates, lernt man achtsamer mit seinem Körper umzugehen sowie dessen Bewegungsumfang zu vergrößern. Durch gezielte Übungen werden sowohl Körper als auch Geist gestärkt und somit das innere sowie äußere Gleichgewicht wieder in Balance gebracht. Auch das Tanztheater verhilft zu einer wachsameren, achtsameren und kreativen Lebensführung und aktiviert das (Körper-) Gedächtnis sowie das Herz-Kreislaufsystem. Aber auch Kommunikations-, Kreativitäts-, Kritikfähigkeit und Stilempfinden werden durch Tanztheater verbessert. Die starke emotionale Anbindung an Gesten, Bewegung und Entstandenem ist ebenfalls zu berücksichtigen: Es geht darum, sich den eigenen vitalen Impulsen zu öffnen, sich durch Improvisationen und den daraus entstehenden Gestaltungen einen Weg zu den eigenen Themen zu bahnen, sich gedanklich in vertrauensvollem Rahmen in Klein-Gruppen oder in der Groß-Gruppe auszutauschen. Mit Methoden des Tanztheaters können durch Bewegungsimprovisationen körperliche und emotionale Themen (auch ohne Worte) zur Darstellung gebracht und im Anschluss bei Bedarf besprochen und analysiert werden.

 

 

In meinen letzten Artikel erzählte ich ja bereits von Pina Bausch und ihrem Tanztheater. Gestern hatte ich spontan sogar auch noch die Gelegenheit nach Wuppertal zu fahren. Danke, liebe Atlanta, für diesen super tollen Spontan-Ausflug! Wir schauten uns eine Aufführung, bestehend aus unterschiedlichen Sequenzen, Szenen, Bildern, Emotionen... des Tanztheater Wuppertal an. Es war einfach atemberaubend. Diese ästhetische, ehrliche und doch so künstlerische Welt. Unbeschreiblich, was wir gestern erlebt haben! 

 

Aber auch gestern wurde mir wieder bewusst, wie sehr sich mein Geist immer nach solchen Zufluchtsorten sehnt. Raus aus dem Alltag!!! Unsere Welt ist so schnell und so voller Leistung. Wir suchen immer wieder nach Kontrolle und Macht. Im Beruf. In zwischenmenschlichen Beziehungen. In unserer individuellen Körperkultur... Wir entwickeln Zwänge, Muster und sperren uns am Ende nur noch mehr in unseren eigenen goldenen Käfig ein. Und warum? Weil wir den Bezug zu uns völlig verloren haben. Wir sind ständig entweder auf der Flucht oder rennen irgendetwas hinterher.... Auf jeden Fall sind wir fast nie in Ruhe oder in Balance. Hast Du mal Deinen Atem beobachtet?! Mein Atem ist immer irgendwie flach und schnell. Mein Körper stellt sich gleichzeitig tot und rennt davon. Selbst, wenn ich denke, ich hätte gerade Ruhe. Mein Körper und Kopf sind alles andere als ruhig und entspannt. Wie oft muss ich mich daran erinnern mal tief zu atmen! Sauerstoff und Entspannung!!! Damit der Körper auch mal an sich arbeiten kann. So Zellerneuerung, Versorgung mit Mineralien und Nährstoffen, Stoffwechsel und so Zeug... alles schon mal gehört! Ja, ja. Aber das ist kein esoterischer Ökokram. Das ist Psychologie und Physiologie vom Feinsten. Und das wiederum ist einfach nur Gesundheit und Balance. Im Einklang mit Körper und Geist.

 

Geht es meinem Körper gut, geht es meinem Geist gut, geht es meinem Körper gut. Eigentlich ganz einfach, wenn man mal darüber nachdenkt. Aber was man nicht alles dafür tut um zu seinem Naturzustand zurückzukommen, dann ist es irgendwie erschreckend. Ich muss mir andere Menschen anschauen um mir dessen bewusst zu werden, dass ich mit meinem Körper nicht im Reinen bin. Ich renne zu Ärzten, irgendwelchen Kursen und lese Artikel zu Gesundheit, Psychologie und co.... und dann gehe ich eine Stunde tanzen und lasse Körper und Geist durch den Raum gleiten und merke, wie einfach es sein kann in Balance zu sein. 

 

Lasst uns einfach viel häufiger ein bisschen bewusster durchs Leben tanzen. Dann ist die Welt vielleicht auch wieder ein wenig mehr in Balance, wenn wir es sind!

 

herzlichst

Deine Niike 

 

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